Marko M. Feingold


Marko M. Feingold 2009

Marko M. Feingold wurde am 28. Mai 1913 in Neusohl (Banska Bistriza) – damals K.K. Österr.-Ungarische Monarchie, heute Slowakei – als drittes Kind eines Eisenbahnbau-Assistenten geboren. Er besuchte in Wien die Volks- und Unterrealschule, wurde kaufmännischer Lehrling, besuchte die Handelsschule und legte nach 3 Jahren die Kaufmannsgehilfenprüfung ab. Feingold war mehrere Jahre als Handelsangestellter und Reisender in Österreich und benachbarten Ländern tätig.

1938 – nach dem ‚Anschluß‘ war Marko M. Feingold kurze Zeit in Wien in Haft, mußte Österreich verlassen und ging in die Tschechoslowakei.

Am 6. Mai 1939 wurde Feingold in Prag verhaftet und sollte wegen eines Disziplinarvergehens unter Anklage gestellt werden. Nach einem Jahr Gefängnis wurde er in das KZ Auschwitz überstellt. Bei seiner Ankunft wurde ihm die unmittelbare Liquidierung angekündigt. Er konnte sein Leben aus diesem, einem der schrecklichsten Lager überhaupt, retten, da er durch einen Transport in das KZ Neuengamme bei Hamburg überstellt wurde. In diesem Lager kam Feingold bis auf ein Körpergewicht von ca 35 Kilogramm herunter. Da er zur Arbeit nicht mehr fähig war, wurde er auf einen Todestransport nach dem KZ Dachau überstellt.

Im Juli 1941 kam Feingold mit einem neuerlichen Transport in das KZ Buchenwald. Dort war er im Steinbruch, als Steineträger, im Straßenbau und in der Fuhrkolonne tätig.

1942 machte ein Vorzugshäftling der ‚SS‘ den Vorschlag, aus deutschsprachigen Häftlingen, Handwerker auszubilden. So wurden ungefähr 100 noch jüngere Juden in zwei Gruppen zu Maurern herangebildet. Diese konnten es diesem Umstand verdanken, am Leben geblieben zu sein, da alle anderen Juden, Nichthandwerker, ab Oktober 1942 nach dem KZ Auschwitz gebracht, und dort zum überwiegenden Teil vergast wurden.

Am 11. April 1945 wurde Feingold im KZ Buchenwald von den Amerikanern befreit, aber erst am 18. Mai 1945 durfte ein erster Transport von Österreichern nach Österreich fahren. Feingold wollte ursprünglich nach Wien, doch an der Demarkationslinie, an der Enns, gab es Schwierigkeiten bei der Weiterfahrt, man wollte die ehemaligen Häftlinge wieder nach Buchenwald zurückbringen. Als der Transport Salzburg erreichte, blieben einige Betroffene, darunter auch Feingold, in der Stadt. Einige Tage nach seiner Ankunft in Salzburg übertrug man Marko Feingold und Edi Goldmann die Leitung der Verpflegsstätte für politisch Verfolgte aller Religionen. Ungefähr 550 ehemalige Häftlinge hatten sie zu verpflegen. Der Kreis der zu Betreuenden ging durch alle Parteien. Aufgrund der sachgemäßen Führung wurde Feingold und Goldmann auch die Administration der jüdischen DP-Lager in der Stadt und dem Land Salzburg, aber auch von Tirol übergeben. Auch für die Zusammenführung der Familien und den Weitertransport hatte Feingold zu sorgen. Dank der Unterstützung der Stadtgemeinde (Verpflegung) und der Landesregierung (Transportmittel) war es ihm möglich, in kurzer Zeit, trotz aller Schwierigkeiten, die es damals gab, tausende jüdische ‚DPs‘ nach Italien zu bringen. Für diese Tätigkeit wurde Marko M. Feingold nach Gründung des Staates Israel ausgezeichnet.

Im Jahre 1945 gab es noch keine Israelitische Kultusgemeinde, erst 1946 wurde sie neu konstituiert. Feingold war 1945 Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde und 1946 Präsident der wiedererrichteten Israelitischen Kultusgemeinde Salzburgs. 1946 mußte er die Präsidentschaft der Kultusgemeinde zurücklegen, da er zu sehr mit dem Flüchtlingsproblem beschäftigt war, man warf ihm indirekt ‚Menschenschmuggel‘ vor. Bis 1948 widmete sich Feingold der Wiedereingliederung, der aus dem Krieg zurückgekommenen politisch Verfolgten, um sie am Aufbau des neuen Österreichs mitwirken zu lassen.

1948 gründete Marko M. Feingold mit Edi Goldmann in Salzburg ein Modenfachgeschäft, das Dank einer guten kaufmännischen Führung, bald eine Filiale verlangte.

Seit seiner Ankunft 1945 in Salzburg, war Feingold neben seiner kaufmännischen Tätigkeit eng mit dem Aufbau der christliche-jüdischen Begegnung verbunden.

1977 ging Feingold in Pension. seit nunmehr 20 Jahren stehe ich wieder der Israelitischen Kultusgemeinde Salzburg vor, habe in dieser Zeit unzählige Vorträge gehalten, die von Schülern, Studenten, Geistlichen, Journalisten, Pfarr- und Bildungsheimen positiv aufgenommen wurden und werden.

Nach seiner Pensionierung 1977 wurde Feingold amtierender Vizepräsident und 1979 wieder Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Salzburg. Seither entfaltete er auch eine ausgedehnte Vortragstätigkeit, insbesondere als Zeitzeuge in Schulen und Pfarrgemeinden, über den Holocaust, seine Erlebnisse in den Konzentrationslagern und das Judentum. Er war auch aktiver Teilnehmer im interreligiösen Dialog.

Seit 2007 war Marko Feingold Ehrenmitglied von Alpine Peace Crossing. Die APC-Friedenswanderung führt jedes letzte Wochenende im Juni entlang der von Feingold ausgemachten Route über den 2634 Meter hohen Krimmler Tauern nach Südtirol. Über 5000 Insassen des DP-Lagers Givat Avoda (Hügel der Arbeit) in Saalfelden schleuste er 1947 zu Fuß auf diesem Weg aus Österreich.

In der Spielzeit 2013/2014 wirkte er bei der Zeitzeugenproduktion Die letzten Zeugen von Doron Rabinovici und Matthias Hartmann am Wiener Burgtheater mit. Die Produktion bezog sich auf die Novemberpogrome 1938, erlangte hohe Wertschätzung seitens Publikum und Presse und wurde zum Berliner Theatertreffen und ans Staatsschauspiel Dresden eingeladen. Anlässlich seines 105. Geburtstages stellte er fest, dass Salzburg „anders“ geworden sei als früher. Im Rahmen der Feierlichkeiten nahm er bei der Fußball-Integrationsweltmeisterschaft, an der 40 Nationen teilnahmen, den Anstoß vor.

Marko M. Feingold starb am 19. September 2019 im Alter von 106 Jahren in Salzburg.

Publikationen

  • Marko M. Feingold, Wer einmal gestorben ist, dem tut nichts mehr weh. Eine Überlebensgeschichte. Herausgegeben und mit einem Nachwort von Birgit Kirchmayr und Albert Lichtblau. Picus Verlag, Wien 2000. ISBN 3-85452-441-2

  • Marko Feingold (Hg.), Ein ewiges Dennoch. 125 Jahre Juden in Salzburg, Wien-Köln-Weimar 1993.