David Samuel Margules

Dr. David Samuel Margules (* 21. September 1884 in Lemberg, ukrainisch Lwiw, Galizien; † 10. Februar 1951 in Cambridge, England) war der letzte Rabbiner der Israelitischen Kultusgemeinde Salzburg vor dem Zweiten Weltkrieg.

David Samuel (Dovid Schmuel) Margules war das dritte von sechs Kindern des jüdischen Ehepaares Penina Pess und Menachem Mendel Margules, Lederhändler in Lemberg.

Porträt Rabbi David Samuel Margules von Gabriele Margules
Quelle: Leo Baeck Institute, The Edythe Griffinger Art Catalog

1920 heiratete Margules Rosa Zerline Leinwand aus Jarosław in Polen. Gemeinsam hatten sie zwei Töchter.

In der Israelitischen Kultusgemeinde Salzburg war seit 1920 das Amt des Rabbiners seit dem Weggang Dr. Adolf Altmann verwaist. In der Zeit des immer offener zu Tage tretenden Antisemitismus blieben alle Bemühungen um eine dauerhafte Nachfolge erfolglos. Dr. Margules bewarb sich um das Amt des Rabbiners und besuchte am 27. September 1929 die Synagoge an der Lasserstraße zum gegenseitigen Kennenlernen. Der Kultusrat wählte ihn danach einstimmig zum Landesrabbiner. Der Kultusrat betonte, dass Dr. Margules die Sympathien aller Juden Salzburgs besitze. Dies war umso bemerkenswerter angesichts der Spannungen zwischen Konservativen und Zionisten. Dr. Margules war religiöser Jude mit Distanz zur Politik.

Die Familie Margules wohnte seit Beginn 1930 in der Salzburger Elisabeth-Vorstadt.

Dr. Margules konnte die Spannungen zwischen Konservativen und Zionisten abbauen. Er fand einen für beiden Seiten akzeptablen Kompromiss. Dieser bestand darin, dass sechs Konservative und sechs Zionisten sich im Mai 1935 auf einer Liste zur Wahl des Kultusrates stellten. Das Wahlergebnis ergab, dass Otto Löwy, Sohn des vormaligen Präsidenten Rudolf Löwy und ebenfalls Konservativer, von 1935 bis 1938 Präsident der Kultusgemeinde wurde. Weiters fungierten zwei ältere Zionisten als seine Stellvertreter. Das waren Ludwig Fischer und Ludwig Pollak (* 1856), ein Neffe Albert Pollaks, des Gründers der jüdischen Gemeinde in Salzburg 1867, dem Jahr des Staatsgrundgesetzes.

Dr. Margules kam im November 1937 zur Eröffnung einer jüdischen Bibliothek in der Synagoge. Zwar sind die Titel der Bücher nicht bekannt, jedoch haben ihre Spender Namen. Es waren ausnahmslos Juden, darunter Stefan Zweig, der im Mai 1937 bei der Räumung seiner verkaufter Zweig-Villa am Kapuzinerberg 140 Bücher jüdischer Autoren seiner Kultusgemeinde geschenkt hatte. Diese Bücher verschwanden unter dem nationalsozialistischen Regime spurlos.

Rabbiner Dr. Margules stellte sich den Bedrohungen und versuchte bis zur Auslöschung seiner Gemeinde im November 1938 sein Bestes. Josefa Nina, die Tochter des Rabbiners, erzählt, dass ihrer bedrohten Familie auch Sympathie bekundet worden sei. Dies sei jedoch von anonymen Briefschreibern erfolgt.

Die Gestapo-Stelle Salzburg ließ auf Befehl des SS-Sturmbannführers Karl-Heinz Rux nachweislich 26 Juden der Geburtsjahre 1883 bis 1914 verhaften, um die Vertreibung und Beraubung der jüdischen Familien zu beschleunigen. Unter ihnen war der Rabbiner Dr. Margules und der Präsident der Kultusgemeinde Otto Löwy. Sie wurden in das KZ Dachau deportiert. Noch während der KZ-Haft von Dr. Margules mussten seine Ehefrau und beiden Töchter, damals 17- und 11-jährig, ihre Wohnung räumen und nach Wien reisen. Ihre schöne Wohnung im Haus Josef-Mayburger-Kai 38 übernahm daraufhin ein Salzburger NSDAP-Funktionär, Gauamtsleiter Karl Feßmann.

Die aus Salzburg in das KZ Dachau deportierten Juden wurden spätestens gegen Jahresende 1938 entlassen, Dr. Margules am 5. Dezember 1938. Die Familie Margules erhielt eine Ausreisegenehmigung nach England, wohin sie im Februar 1939 reisten. In England war die Familie eine staatenlose Flüchtlingsfamilie. Unter prekären Umständen lebte sie während des Zweiten Weltkrieges in England, wo sie sich dann aber noch während des Krieges in Cambridge niederlassen konnte. Drei Jahre nach Kriegsende wurde Dr. Margules die britische Staatsbürgerschaft verliehen. Er starb 66-jährig am 10. Februar 1951 in Cambridge, seine Ehefrau 95-jährig im Jahr 1992.

Ihre Töchter Josefa Nina und Gabriele Ella lebten in den USA. Die ältere war Psychologin, sie starb 2012. Die jüngere war Künstlerin und starb 2016. Die Psychologin Josefa Nina Lieberman hinterlässt eine informative und berührende Biografie über ihren Vater: »He came to Cambridge: Rabbi David Samuel Margules« (1982).

Zum Andenken an Dr. Margules wurden am 27. Jänner 2020 am Josef-Mayburger-Kai 38 und am 15. Juli 2020 vor der Synagoge je ein Stolperstein verlegt.

Verweise:
SalzburgWiki

Stolpersteine